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Miklós Radnóti: Gewaltmarsch

radnóti miklós: gewaltmarsch

Verrückt, wer niederstürzt     dann aufsteht, weitergeht,

und als wandelnder schmerz     füß’ und knie bewegt

und trotzdem geht,     als ob ihn flügel tragen,

und vergebens ruft der graben, –     zu bleiben wagt er nicht,

und wenn du fragst: warum?     erzählt er noch vielleicht,

daß ihn seine Frau erwartet     und ein weisrer, schöner tod.

Verrückt, du herzensguter,     weil dort anstatt des heims

seit langem schon     versengter wind sich spielt,

die mauern eingestürzt,     der zwetschkenbaum zerbrochen

und angsterfüllt, geschwollen     die heimatliche nacht.

Oh, wenn ich glauben könnt,      daß nicht bloß in meinem herz

all das, was zählt, verborgen     und eine statt, wohin

zurück ich kommen kann      ‘s noch gibt; wo, wie dereinst vorm haus,

des friedens bienen summen,     während marmelade kühlt,

und des späten sommers stille     sich sonnt auf den verträumten gärten,

die früchte in den kronen     schaukeln nackt im wind,

und Fanni vor der roten hecke      mit ihrem blonden schopf

und schatten malt bedächtig     der träge nachmittag, –

und womöglich doch kein traum!     so voll lacht heut der mond!

Mein freund, bleib stehn     schreie mich an! und ich werd weitergehn!

 

Bor,

15. September 1944.

  

(Aus dem Ungarischen von Clemens Prinz)